AWO 700
Geschichte meiner AWO 700
H-P Hommes
Nach der Wende:
Der Chef eines Kabelverlegungsunternehmens entdeckt bei Arbeiten in der
ehemaligen DDR Anfang der 90er Jahre auf einem Bauernhof eine BMW R75 mit
einem seltsamen Motor und kauft sie.
Der Verkäufer gibt an, dass Gespann sei zwar
als BMW R75 zugelassen, aber das sei ein Prototyp von EMW.
Wie er an das
Gespann kam, ließ sich vorerst nicht klären.
Der neue Besitzer versucht das Gespann, AWO 700 zu verkaufen.
Kaufinteressenten wollen von dem "verbastelten Russen"
jedoch nichts wissen, da der Verkäufer für sein einmaliges Fahrzeug auch
einen guten Preis erwartet.
Ich besichtige das Motorrad 1998 und erkenne,
dass dies der Motor ist, von dem ich bei Recherchen zu einem Buch über die
BMW R75 in einem Staatsarchive Zeichnungen gefunden hatte, die aber nicht zu
einem mir bekannten Motor von BMW zuzuordnen waren.
Ein Foto mit diesem Motor wird von mir gefunden und der Fahrer, ein
ehemaliger Oberleutnant der NVA ausfindig gemacht.
Weitere Informationen
ergeben, dass es sich tatsächlich um eines der damals in den 50er Jahren
hergestellten Versuchsmodelle der AWO 700 handelt.
Es ist die einzige
komplett AWO 700, die noch erhalten ist.
Recherche zur BMW R75 von mir in einem Staatsarchiv:
Bei Unterlagen der BMW R75 werden seltsame Motorzeichnungen entdeckt.
Die
Technischen Zeichnungen der BMW R75 sind in der Nummer geändert. 275 0...
Die Null ist ausgekratzt und durch eine 3 ersetzt.
Hier waren die bei EMW vorhandenen Zeichnungen der BMW R75 einfach auf 275 3 ... umgeändert worden, um darzustellen: Wir haben das selbst entwickelt, dass ist nicht gleich mit der BMW R75 oder 275 2 ...
Auf anderen Zeichnungen, die einen mir damals unbekannten Motor
betreffen, ist ein Stempel aufgebracht mit der Aussage: Diese Zeichnung
unterliegt nicht dem Änderungsdienst.
Da musste nicht gekratzt und
überzeichnet werden mit einer 3, dies waren wirkliche bei EMW erfolgte
Eigenentwicklungen.
Auf schriftliche Anfrage an das Simson Werk nach der Wende.
Frage:
Haben Sie Unterlagen zu einer AWO 700?
Antwort:
Nie von einer AWO 700 gehört, wurde auch nach unseren Archiv-Unterlagen hier nie gebaut.
Telefonische Nachfrage bei leitendem Angestellten. bei Simson (AWO)
Ihm war es seltsam, dass ich auch nach einer AWO 700
fragte, da vor ein paar Jahren, noch zu DDR Zeit, jemand aus Schweden
Ersatzteile für einen 700 ccm Boxer Motor haben wollte, der angeblich bei
Simson hergestellt worden war. Schriftverkehr mit dem Schweden ist aber
nicht mehr vorhanden.
Aber auch damals habe man nur sagen können, dass so
ein Gespann ähnlich BMW R75 nie hier bei Simson gebaut wurde.
Monate später kommt ein Schreiben von Simson.
Leitender Angestellte schreibt:
Wir hatten jetzt eine Betriebsfeier und dort waren auch einige
ehemalige Mitarbeiter, die bereits Rentner sind.
Ich habe dort mal
nachgefragt und zu meinem Erstaunen ergab es sich, dass es stimmt.
Hier
wurden in den 50er Jahren eine Anzahl von Versuchsmotorräder in
Kleinserie mit ca. 700 ccm und Boxermotor gebaut.
Mehrere der Rentner bestätigten, dass eine AWO 700 gebaut
wurde.
Die gesamte Entwicklungsarbeit sei von EMW erbracht worden.
Es war
alles auf Basis der BMW R75.
Der Motor war eine eigene Entwicklung unserer
Leute in Eisenach.
Man habe in einer geheimen und abgetrennten Abteilung so
um die 10 Gespanne und einige Motoren mehr gebaut.
Es war eine militärische
Entwicklung und nur zuverlässige Mitarbeiter, die zur Geheimhaltung
verpflichtet waren, durften daran arbeiten.
Die Armee habe eigene Ingenieure zur Überwachung geschickt.
Die haben auch
alles, als es fertig war, abgeholt. Einschließlich aller Werkzeuge,
Zeichnungen einfach alles was das Gespann betraf.
Danach hat man von dem
Gespannen nichts mehr gehört. Wir waren der Meinung das die Entwicklung des
Gespanns für die Russen war.
März 2008
Ich erhielt einen freundlichen Anruf eines älteren Herrn, der diese Seite im
Internet mit Interesse gelesen hatte.
Er kenne einen ehemaligen Besitzer
solch eines Gespanns, der in der Nähe von Dresden lebe.
Er gab mir nach
Rücksprache mit dem Herrn dessen Telefonnummer.
Was sich dann zu
meiner Freude herausstellte war, dass er der frühere Besitzer meiner AWO 700
ist.
Er
hatte Fotos und was für mich noch überraschender war, er besaß das original
Typenschild, was er damals, aus welchen Gründen weiß er nicht mehr, als
Erinnerung behielt.
An meiner AWO fehlte dies, auch habe ich keine
Fahrgestell Nr. gefunden. Aber einen Buchstaben und eine Zahl -V4 -.
Das
Typenschild hat genau diese Angaben.
V = Versuchsfahrzeug und die 4 für das
vierte Fahrzeug.
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Hier ein kurzer Bericht aus der Historie seines AWO 700 Gespanns.
Ende der 60er Jahre, ich war damals Student, habe ich in Zwickau ein großes,
schwarzes vermeintliches BMW Gespann gekauft.
Das Motorradgespann war in einem
sehr guten technischen Zustand.
Der Vorbesitzer erzählte mir, dass es von diesem
Gespann nur einige wenige geben würde und die Vorbesitzer zuerst die KVP
(Kasernierte Volkspolizei) und dann die GST (Gesellschaft für Sport und Technik)
gewesen seien.
Dort habe man das Gespann benutzt, um Jugendlichen etwas
Fahrunterricht zu geben und an die Technik heranzuführen.
Er meinte auch, dass
dieses Gespann aus einer eigenen Produktion der DDR in kleiner Serie sei.
Bei
minimalen Pflegeaufwand, wie Ölwechsel und Ventilspielkontrolle wurde das
Motorrad viele Jahre von mir gefahren.
Vornehmlich habe ich es für
Urlaubsfahrten aber auch für den Transport von schwerem Baumaterial benutzt.
Auch in Schnee und Eis habe ich Fahrten im Erzgebirge unternommen, ohne dass
jemals ein größerer Schaden aufgetreten ist.
Als Kraftstoff habe ich oft dem
Benzin bis zu 50% Waschbenzin hinzugefügt, was der Motor klaglos akzeptierte.
Ich habe aber in all den Jahren nie ein anderes Gespann dieser Ausführung bei
uns in der Republik gesehen oder davon gehört.
Als
ich dann einen PKW Trabant erwerben konnte, habe ich das mittlerweile äußerlich
stark ramponierte aber immer noch fahrbereite Gespann an jemanden verkauft, der
im Norden der Republik in der Nähe von Rostock wohnte. Das Typenschild habe ich
aus irgend einem Grund behalten und bis heute aufbewahrt.
Ich habe auch noch das
Werkstatthandbuch der BMW R75 in meinem Besitz.
Da war zwar nichts über meinen
Motor drin, aber sonst war das Buch sehr hilfreich.
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Fahrbericht 2007
H-P Hommes
Nachdem das Zündmagnet der AWO 700 überholt und neu
magnetisiert wurde war sie dann bereit anzuspringen.
Der Motor läuft etwas rau.
Dies ist aber nicht konstruktionsbedingt, sondern da ich den Motor nicht zerlegt
habe und alles dort noch im Originalzustand ist, ist dies wohl altersbedingt.
Hört sich im Leerlauf so an als sind die Pleuellager nicht mehr die Besten.
Sie
fährt sich wie eine BMW R75 allerdings ist der Motor etwas leistungsstarker.
Das
merkt man beim Beschleunigen.
Auf dem Treffen in Brisighella hab ich die AWO
über mehrere Tage gefahren. Sie läuft zuverlässig, springt gut an und hielt bei
einem Geschwindigkeitstest mit Wolfgangs BMW R75 und seinem 800 Motor problemlos
mit.
Ich konnte ihn zwar nicht überholen aber die gleiche Geschwindigkeit
brachte die AWO 700 locker.
Das verkürzte Boot bring echte Vorteile im Gelände.
Wie oft haben wir mit der
BMW R75 die vordere rechte Packtasche abgefahren und das Boot in den Boden gerammt.
Das passiert bei dem verkürzten Boot nicht. Allerdings hat man sich eine mistige
Hebelkonstruktion ausgedacht um das Boot zu öffnen. Da klemmt man sich schnell
gewaltig die Finger.
Da war das Steib Boot viel besser gebaut, aber dafür konnte
die Klappe nur knallend laut geschlossen werden.
Der Tank ist etwas eckiger gebaut. Das kann aber auch daran liegen, dass man ihn
von Hand hergestellt hat.
Das Getriebegehäuse ist in einer neuen Form gegossen
worden. Oben fehlt im Guss die plane Fläche für den Getriebeluftfilter.
Auch die
vordere Bremsankerplatte ist aus neuer Form.
2009-2010 als Leihgabe im Museum in SUHL
Für eine Sonderausstellung habe ich meine AWO 700 als Leihgabe
an das Motorradmuseum in Suhl gegeben.
Etwas verärgert war ich als ich die AWO zurückerhielt und man mir dazu einen
kleinen Ausstellungskatalog überreichte.
Die AWO wurde mir Top gepflegt
zurückgegeben. Das war es nicht.
Aber in dem Ausstellungskatalog war meine AWO
mit einer neuen Geschichte versehen.
Angeblich wäre die AWO aus Litauen oder
Lettland wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Diese Historie stimmt aber total
nicht.
Da standen nun meine Feststellungen und Nachforschungen gegen die
Geschichte die im Ausstellungskatalog verbreitet wurde.
Ein Anruf beim Direktor des Museums brachte dann diese Peinlichkeit als ein
versehen des Museums und ein vertauschen zweier Motorrad Biografien ans Tageslicht.
:-(
Man hatte die Herkunft einer Harley Davidson beschreiben wollen, der Text war dann aber irrtümlich unter meine AWO 700 platziert worden.